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Freitag, 1. Mai 2015

Tutorial: Dirndl nähen II

Ein Dirndl ist nicht das Schwerste, was frau sich nähen kann. Es gehört aber auf jeden Fall zu den Dingen, mit denen man trefflich angeben kann: all die handgearbeiteten Details, Unmengen an Stoff, den es zu bewältigen gilt, eine gewisse Festlichkeit, die dem fertigen Kleidungsstück innewohnt. Das hat schon was.
Und mit einem Dirndl ist Frau, zumindest hier im grünen Herzen Österreichs auch selten falsch angezogen. Das alles zu einem, wenn frau ein bisschen Arbeit investiert, absolut erschwinglichen Preis. 
Also, wieder an die Arbeit! 

Das Oberteil zuschneiden

Im ersten Teil haben wir Kittel und Rock zugeschnitten und gehanselt. Jede Menge Handnäherei, die Genauigkeit verlangt und vor allem auch Unmengen an Zeit und Geduld. Die sich aber wirklich lohnen!
Diese vorbereiteten Teile legen wir jetzt einmal zur Seite.
Nun kommt die wirkliche Herausforderung: Der Leib, also das Oberteil.

Ich habe im ersten Teil bereits erwähnt, dass man für das Oberteil nun wirklich ein Schnittmuster braucht und wie frau sich das gegebenenfalls von einem bestehenden Dirndl abnehmen kann.
Die einzelnen Schnittmusterteile habe ich auf Packpapier gezeichnet und ausgeschnitten.
Ich hätte, wenn ich schlau gewesen wäre, Oberstoff und Baumwollfutter zusammen verarbeitet und mir so einiges an Arbeit gespart.So sollte man es also machen:

Futterstoff mit der schönen Seite nach unten auflegen. Oberstoff mit der schönen Seite nach oben drauf. Jeweils alle Falten rausstreichen, damit es nach dem Zuschnitt keine unliebsamen Überraschungen gibt. Nun die Schnittmusterteile auf dem Oberstoff auflegen. Hier darauf achten, dass sie alle gleich ausgerichtet sind. Gekaufte Schnittmuster haben zu diesem Zweck kleine Pfeile aufgedruckt, die man parallel zur Webkante ausrichtet. Wenn frau, so wie ich, eines verwendet, das sie selbst abgenommen hat, empfiehlt es sich, die Teile so hinzulegen, dass sie alle in die gleiche Richtung zeigen, dass also bei jedem Teil auch beim Zuschneiden schon oben dort ist, wo auch beim fertigen Kleidungsstück oben sein wird - ich hoffe, so ist das verständlich erklärt.

Alle Schnittmusterteile sind aufgelegt
Ich schneide bewusst nicht im Bruch zu, habe also wirklich für jedes Teil ein separaten Papierschnitt.
Die Teile feststecken und nun mit Schneiderkreide oder einfach einem farbigen Buntstift die Nahtzugaben einzeichnen: überall zwei Zentimeter, nur unten, seitlich und an den Trägern jeweils fünf Zentimeter. Dirndl sind traditionell so geschnitten, dass sie sich leicht um ein paar Zentimeter ändern lassen, und ich finde das angesichts der Menge an Arbeit, die man beim Nähen hat (und meiner Vorliebe für Schokolade und alles mit Sauerrahm), eine gute Tradition. In der untenstehenden Grafik habe ich das für meine Schnittmusterteile markiert: pink für die vorderen Seitennähte, türkis für die hinteren und dunkelblau für die Zugaben an zur Taille hin - es kann aber sein, dass das bei die ein bisschen anders aussieht, wenn du einen anderen Schnitt hast, z.B. einen mit einem Abnäher unter der Brust.

An den Markierungen 5cm Nahtzugabe markieren statt 2cm

Dann entlang der Linien der Nahtzugaben ausschneiden. 
Anschließend entlang der Papierteile durch den Ober- und den Futterstoff heften, einmal um jedes Teil herum. Das kostet nicht mehr als eine Stunde (idealerweise bei guter Musik oder einer coolen Serie), und so hat man sicher die genauen Maße, ohne Markierungen am Stoff, die sich möglicherweise nicht mehr auswaschen lassen (was mir auch mit Schneiderkreide gerade bei dem Blumenstoff schon passiert ist). Dabei darauf achten, dass man besonders an Ecken wie rechts oben im untenstehenden Bild kleine Stiche macht, um die Kontur später eindeutig erkennen zu können.

Entlang des Papierteiles Ober- und Futterstoff zusammenheften.
Zwischengefasste Paspeln

Nun hängt das weitere Vorgehen davon ab, ob frau kontrastfarbige Paspeln haben möchte oder nicht. Klingt jetzt kompliziert, sind aber einfach nur die dünnen rosafarbenen ...Wülste, die bei meinem Vorbild an den Rückenteilungsnähten und auch den Armöffnungen zu sehen sind. Ich habe für diese Paspeln extra mehr vom Schürzenstoff eingeplant. Da dieser bei mir beerenfarbig ist, sind es auch meine Paspeln. So wird das aussehen, wenn es fertig ist: 

Paspellierte Rückenteilungsnähte

Exkurs: Paspelschnur

Paspelschnur mag ich nicht kaufen, nachdem ich einen halben Schrank von Häkelgarn der Stärke 10 aus meiner Brettchenweberinnenzeit daheim habe. Sie ist schnell und in jeder gewünschten Farbe selbst gemacht: eine gute alte Kordel, wie wir sie schon in der Volksschule gedreht haben. Zwischen zwei fixen Punkten in einem möglichst großen Raum (z.B. Türschnalle und Heizkörper) fünf Schnüre spannen, und zwar doppelt so lang wie die fertige Kordel sein soll plus 20 cm. Nun die Schnüre von einem der beiden Fixpunkte abnehmen, Bleistift durch die Schlinge am Ende stecken und ein paar Minuten lang unermüdlich in eine Richtung drehen. Immer schön straff halten. Der Strang wird dabei etwas einspringen und mit der Zeit anfangen, sich zu kräuseln Wenn er das schon sehr heftig tut, den Strang in der Mitte fassen - hier könnte die helfende Hand einer Dritten Partei vonnöten sein - und Anfang und Ende zusammenlegen, vorsichtig um sich selbst wickeln lassen, verknoten und voila: Paspelschnur!

Man kann für jedes Stück paspellierter Naht eine eigene Kordel drehen oder eine lange, von der man immer wieder runterschneidet. Dann aber Endenverknoten nicht vergessen. Es empfiehlt sich, die Paspel aus etwas Glattem wie Baumwollhäkelgarn zu machen und nicht aus Wolle. Wenn du dickeres Häkelgarn verwendest, nimm vielleicht weniger als 5 Fäden, damit die Schnur nicht zu dick wird. Am besten einmal eine Probekordel drehen und dann entscheiden.

Von dem zusätzlichen Schürzenstoff schneide ich mir jetzt einfach 3cm breite Streifen ab, die etwas länger sind als die Naht plus Nathzugabe, die ich paspellieren will, schlage sie um die Paspelschnur und stecke das mit Nadeln fest.

Paspelschnur in die Paspel legen

Die so vorbereitete Paspel stecke ich am hinteren Mittelschnittteil entlang der durch Heftfäden markierten Linie fest, so dass die offene Seite der Paspel zur Nahtzugabe des Schnitteiles zeigt und die Kante mit der Kordel darin gerade knapp über die geheftete Markierung reicht (siehe Bild).

Links vom Finger sieht man die Heftnaht, Kordel ist gerade über dieser Naht

Einmal schnell mit der Maschine relativ weit in der Nahtzugabe drübergenäht, damit das alles hält, ohne dass ich wieder heften muss. Nicht sehr gerade, aber das macht nichts, weil diese Naht später ohnehin nicht mehr zu sehen sein wird.

Paspelband an das mittlere Rückenteil geheftet

Nun stecke ich das entsprechende rückwärtige Seitenteil an das so vorbereitete Mittelteil, wiederum so, dass die geheftete Markierung des Teils möglichst eng an der vom Paspelband umfassten Paspelschnur liegt. Das ist nicht ganz so einfach, weil die beiden Teile, wenn man sie zum Heften zusammenlegt, in gegenläufige Richtungen gewölbt sind. (Auf allen weiteren Fotos ist bereits eines der Seitenteile angeheftet, und ich zeige alles anhand des zweiten. Funktionieren tut die Sache allerdings eh auf beiden Seiten gleich...)

Das untere Teil wölbt sich nach vorn, das obere nach hinten.

 Am besten ist es, man legt sich das kleinere Teil (in diesem Fall das obenliegende) flach auf und das andere in Falten gelegt darüber. Mit tausend Nadeln feststecken oder heften. Hierbei aufpassen, dass die Paspel gleichmäßig zwischengefasst wird. Das ist eine etwas nervige Friemelarbeit, aber nicht weiter schwierig, wenn man ruhig und langsam vorgeht. 
Auf dem Bild unten sieht man, dass meine Nahtzugaben doch nicht überall gleich breit waren. Hätte ich die gewissenhaft ausgemessen, könnte ich die Teile jetzt einfach Kante auf Kante zusammenstecken.

Festgesteckt - es kann genäht werden!

Die Paspel ist jetzt "zwischengefasst" und los geht's an die Nähmaschine! Mit Hilfe des Reißverschlussfußes immer eng an der unter dem drübergehefteten Teil spürbaren Wölbung des Paspelbandes entlangnähen und damit - hoffentlich - auch mehr oder weniger genau auf der gehefteten Markierung des Seitenteils. Auf ein paar Millimeter kommt es da allerdings nicht an, keine Sorge.

Kordel der Paspel ist zwischen Daumennagel und Reißverschlussfuß - zu weit weg
Worauf es aber sehr wohl ankommt ist, dass so knapp wie möglich an der Kordel der Paspel entlangenäht wird - nicht ganz einfach, weil man sie ja nur erspüren, aber nicht sehen kann. Ich habe deshalb nach der ersten Naht noch eine zweite gemacht, die knapper an der Kordel entlang geht.

Kordel ist unter der Aussparung des Reißverschlussfußes - besser!
Der Reisverschlussfuß ist seitlich so gemacht, dass sich die Kordel ein wenig darunter schieben lässt. Nach dieser zweiten Naht ist die Paspel genau, wie sie sein soll: schmal und gut gefüllt :)

Passt!




Für's zweite seitliche Rückenteil genauso vorgehen wie beim ersten.
Jetzt kann man bei den beiden paspellierten Nähten die Nahtzugaben kürzen und versäubern. Eventuell müssen sie an den Kurven vorsichtig ein wenig eingeschnitten werden, damit sich von außen nichts wölbt. Das ist allerdings ein Schritt, auf den ich gerne verzichte, wenn irgendmöglich. Ich habe immer Angst, dass solche Einschnitte die Haltbarkeit meiner mit Mühe hergestellten Kleidungsstückes beeinträchtigen.

Fertig!

Besonders gefreut habe ich mich darüber, wie die Ranken der einzelnen Schnittteile ineinander übergehen. Darauf habe ich nämlich beim Zuschneiden nicht wirklich geachtet. Unverdientes Glück...

Das war's für's erste mit den Paspeln. Es folgen noch Paspeln in den Ärmellöchern und um den Ausschnitt - die sind aber entschieden einfacher, weil nicht zwischengefasst wie diese hier. 


Sonntag, 12. April 2015

Tutorial: Dirndl nähen I

Tracht ist spätestens zum nächsten Oktoberfest wieder omnipräsent. Dirndl gibt's dann an jeder Ecke für wenig Geld. Alles unter 100 Euro darf sich getrost ein Schnäppchen nennen. Hin und wieder kann man so ganz nette Angebote ergattern. In der Mehrzahl sind solche Modedirndln jedoch ein bisschen zu grell, kunstfaserig und kein bisschen "echt".  Ein richtiges Dirndl zu kaufen kann ganz schön teuer werden, vor allem wenn man noch dazu verliebt in bestimmte Details ist, die Handarbeit erfordern. Wenn es dann auch noch das Dirndl einer bestimmten Region sein soll, bleibt eigentlich ohnehin nur mehr der Gang zur Schneiderin oder zum Heimatwerk. Für mich leider beides momentan unerschwinglich. 
Die gute Nachricht: Man kann Dirndl auch selbst nähen und zwar entschieden leichter als z.B. einen Mantel (glaub mir, liebes Internet, ich habe beides gemacht - kein Vergleich). Nicht zurückscheuen darf fräulein vor ein bisschen Handnäharbeit - doch das ist es auch, was ein richtiges Dirndl ausmacht und was später für bewundernde Blicke bei Trachtenkennerinnen sorgt.

Ich habe zwar schon sechs oder sieben Dirndln im Laufe meines Lebens angesammelt, aber für die Hochzeit meiner kleinen Schwester sollte schon was Neues her. Und zwar was Neues, das richtig altmodisch aussieht. Angetan hat's mir besonders dieses Bild. Eine Kreation, glaube ich, von Lena Hoschek und damit sicherlich ihr Geld wert. Ich schau ein bisschen auf mein Budget und werde mir etwas Ähnliches aus Stoffen zusammenwürfeln, die ich in meinem umfangreichen Stofflager gefunden habe.

Ein Dirndl ist nicht das Schwierigste, was frau nähen kann (immerhin: in der Regel keine Ärmel!). Aber es ist ganz sicher auch nicht das einfachste

Mein erstes Dirndl habe ich vor einigen Jahren nach einem abgenommenen Schnitt eines gekauften Dirndls und einer sehr hilfreichen Anleitung einer Forumsteilnehmerin bei hobbyschneiderin24 genäht. Inzwischen gab es bereits zwei weitere, mehrere Schürzen (und das obwohl ich mir nach der ersten geschworen habe, dass ich nie wieder eine machen werde) und diverse Modifikationen an gekauften eigenen Dirndln und auch zwei oder drei aus dem Freundes- und Familienkreis. Jetzt fühle ich mich reif für meine eigene Anleitung.

Das braucht man: 

1 m (1,40 m breit) Stoff für das Oberteil, bei mir der weiße mit den Blumen
1 m hellen Baumwollstoff für das Futter
1 m plus 20 cm (1,40 m breit) Stoff für die Schürze, bei mir beerenfarben
2 m (1,40 m breit) Stoff für den Kittel, bei mir schwarz mit weißen Streublumen
3 mal 10 cm mal 1,40 m kleinkarierten Stoff (Vichykaro) oder seeeeehr viel Hanselband (teuer)
wenn der Oberstoff ein recht dünner ist, für diesen noch zusätzlich Bügelvlies
Häkelgarn für die Paspelschnur
7 Knöpfe
Knopflochgarn in den Farben des Kittls und der Schürze

ein Schnittmuster


Die Stoffe

Bei den gemusterten Stoffen ist es wichtig, dass das Muster in der richtigen Richtung verläuft. Mehr oder weniger egal ist das nur beim Oberteil, weil du da die einzelnen Musterteile ganz leicht passend auflegen kannst. Bei der Schürze und beim Kittel wird aber nichts zugeschnitten. Hier darauf aufpassen, dass also z.B. Streifen oder Ranken parallel zur Webkante verlaufen und nicht quer über den Stoff.
Bei Unsicherheiten hält frau sich mit den Farbkombinationen am besten an erprobte Vorlagen wie z.B. das berühmte Ausseer Dirndl. An Mustern sieht man meist Streublumen, Rankenmuster und unifarbene Stoffe im Dreiklang. Um meiner Vorlage möglichst nahe zu kommen, habe ich hier auf den unifarbenen Leib verzichtet und statt dessen einen recht festen geblümten Bezugsstoff genommen, aus dem auch unsere Bettvorhänge sind. Da ich zwar vieles kann, aber keine Farben zusammenstellen, habe ich meine bessere Hälfte zur Sicherheit noch einmal gefragt und grünes Licht für meine Stoffkombination bekommen.

Meine Stoffe sind, mit Ausnahme möglicherweise des hellen mit den Blumen, aus Baumwolle. Dirndln aus Baumwollstoffen nennt man Alltags- oder Waschdirndln. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Baumwolle trägt sich angenehmer auf der Haut als auch die allerschönste Kunstseide, ich muss mit meinem Dirndl nicht jedesmal zur Putzerei laufen, nachdem ich es getragen habe, und es gibt auch reichlich Gelegenheiten es zu tragen, da es nicht zu festlich aussehen wird.
Die Stoffmengen habe ich recht großzügig bemessen, da beim Zuschnitt Reste für die Paspeln und das Kittelblech mehr als erwünscht sind. Und Stoffreste von hübschen Trachtenstoffen sollte es sowieso in jedem Haushalt zuhauf geben, zum Beispiel um Unmengen von Lavendelsackerln draus zu machen.
Der karierte Stoff sollte zum einen anständig Kontrast haben (meiner ist dunkelblau-weiß), damit man sich beim Hanseln leichter tut, zum anderen je nach Dicke von Schürzen- und Kittelstoff recht fein kariert sein (je dünner Schürzen- oder Kittelstoff, desto feiner sollte gehanselt werden).Wenn die Karos zu klein sind, kann man immer noch mit jedem Stich zwei auf einmal nehmen, wie unten erklärt.
Ich gehe durchwegs von 140 cm breiten Stoffen aus. Die richtig schönen, richtig teuren Trachtenstoffe sind machmal schmaler, dann entsprechend mehr davon nehmen!



Material: Stoffe, Kleinkram, Schnittmuster - und ein Bild von einer Birne
Das Schnittmuster

Ein Schnittmuster brauchst du nur für das Oberteil. Kittel und Schürze werden aus rechteckigen Teilen zugeschnitten, wie ich weiter unten erklären werde.
Käuflich erworben kann das Schnittmuster etwas in Form einer Zeitschrift werden, die sich Dirndlrevue nennt. Alte Handarbeitsbücher sind auch eine wunderbare Quelle.
Für mein erstes Dirndl habe ich mir den Schnitt einfach von einem gekauften Dirndl abgenommen: Küchentisch, dickes Handtuch drauf, Packpapier darüber, Oberteil so flach wie möglich auflegen und mit einer Stecknadel jedes einzelne Teil an den Nähten entlang mit Stichen "nachzeichnen"- voila Schnittmusterteile. Ist zwar ein bisschen Arbeit, funktioniert aber wunderbar.
Wenn du nicht sicher bist, ob dein Schnitt dir auch wirklich passt, schneide zuerst alle Teile aus dem Futterstoff zu, hefte sie zusammen und probiere das einmal an.

Jetzt aber los!


Schürze zuschneiden und hanseln

Ich beginne mit der Schürze, weil ich mich an diesem Stoff einfach nicht sattsehen kann. Er war das Geschenk einer Freundin, die keine Ahnung hat, was für eine Freude sie mir damit gemacht hat. Diese Farbe!
Das 1 m mal 1,40 m große Stück flach auflegen. Oben ist dort, wo der Stoff vom Ballen geschnitten wurde und bald der Schürzenbund sein wird (bei mir direkt unter dem Bild mit der Birne), links und rechts sind die Webkanten. Nun einfach links (oder rechts) drei Streifen vom Stoff abschneiden: zwei zu zwölf Zentimetern (das sind die Schürzenbänder) und einen mit acht Zentimetern, das wird der Bund.

Schürze zuschneiden

Jetzt wird gehanselt. Warum das so heißt, weiß ich nicht, aber ich kann erklären, was es ist: Sowohl die Schürze als auch der Kittel des Dirndls sind gerade geschnitten. Die Mehrweite wird an der Taille durch miniwinzige Stehfältchen eingehalten, und diese erzeugt man durch Hanseln. Ich habe mal ein Foto von meiner alten Schürze gemacht, damit man sich das besser vorstellen kann: Vorne sieht man die kleinen Falten, die durch regelmäßige Heftnähte entstehen, dahinter die Rückseite der Dirndlschürze: ein Streifen karierter Stoff als Hilfe beim Hanseln. An gekauften Dirndln sieht man so was nur, wenn sie im deutlich oberen Preissegment liegen, weil man es nur von Hand machen kann und es eine Heidenarbeit ist. Aber nicht verzagen: Das Ergebnis ist die Mühe wert!


Hanselfalten an einer fertigen Dirndlschürze

Im Detail funktioniert das jetzt so: Zuerst das große Stück Schürzenstoff umdrehen und einen der drei Streifen karierten Stoffs oder das erste Stück Hanselband entlang der Oberkante mit Stecknadeln alle paar Zentimeter feststecken. Dabei am Anfang und am Ende etwa 3 cm vom Schürzenstoff freilassen - siehe Bild unten. Dieser Rand wird später umgeschlagen und abgesteppt.
Penible Seelen können den karierten Stoffstreifen vorher zumindest an der Unterkante endeln. Mich stört es nicht, wenn er später ausfranst, also spare ich mir die Arbeit.
Wichtig ist es, den karierten Stoff nach dem Muster des Schürzenstoffes auszurichten. Dazu beim Feststecken die Nadeln immer schön gerade von oben nach unten stecken (an einer Linie des Karos ausrichten) und immer wieder alles umdrehen und nachschauen, ob die Nadeln auch außen am Muster der Schürze ausgerichtet sind. Das klingt komplizierter als es ist und erspart es dir, dass hinterher alles... irgendwie schief ausschaut.
Das Hanseln selber ist nicht weiter kompliziert: Entlang der Karos mit einer dünnen, langen Nadel einfach ganz normalen Vorstich nähen (genau wie beim Einreihen, hier zum Beispiel). Je nach Größe der Karos entweder immer über eines oder, bei einem kleineren Karo wie bei mir, über jeweils zwei Karos. Ein Stich ist auf diese Art bei mir ca. 4 mm lang. Bei sehr dünnen Stoffen sind kleine Abstände besser, weil andernfalls die Fältchen am Schluß zu weit auseinanderstehen und man der fertigen Schürze den Reihfaden noch sehen würde. Also im Zweifelsfall immer kleinere Karos/ Abstände nehmen.
Den Faden zum Reihen von der Spule abschneiden, damit man ihn bis zum Ende immer wieder nachziehen kann. Anfang und Ende nicht vernähen, etwa 20 cm Faden stehen lassen und zum Sichern achtförmig um eine Stecknadel wickeln. Auf diese Art sechs Reihen genau untereinander hanseln.
Die folgenden Reihen habe ich jeweils drei Karos tiefer begonnen, wie man auf dem Bild unten sehen kann. Immer darauf achten, dass die Stiche genau unter denen der vorhergehenden Reihe liegen.

Sechs Reihen gehanselt - ein gemütlicher Fernsehabend.
Um zu sehen, wie die Fältchen später an der fertigen Schürze aussehen werden, Stecknadeln auf einer Seite lösen und den Stoff mal probeweise an den Reihfäden in Fältchen schieben.

Fältchen zusammenschieben
Von vorne sieht das aus wie unten zu sehen und gefällt mir ganz gut. Bedenken, dass die erste Hanselreihe bei der fertigen Schürze unter dem Bund verschwinden wird. Nach sechs Reihen habe ich beschlossen, dass es mir genug ist. Für den Kittel werde ich zwei Reihen mehr machen.

So werden die fertigen Fältchen von vorne aussehen.

Kittel zuschneiden und hanseln

Für den Kittel aus den zwei Metern 1,40 breiten Stoff zwei Stücke zu je 1 x 1,40 m machen und diese so in der Mitte zusammennähen, dass man ein langes Stück 1 x 2,80 m hat. Das Versäubern der Naht erübrigt sich, da seitlich ja die Webkanten liegen.
Die restlichen beiden Karostreifen zusammennähen und an einer der 2,80 m langen Kanten entlang wiederum hinten auf den Stoff stecken. Damit etwa 15 cm von der Seitenkante weg beginnen und auch 15 cm früher enden: Der Rock wird nicht ganz rundherum in Fältchen gelegt. Unter der Schürze bleibt der Stoff gerade. Auch hierzu ein Bild von meinem alten Dirndl.


Fältchen enden ungefähr dort, wo später die Schürze getragen wird.

Auch hier darauf achten, dass das Hanselkaro genau nach dem Stoffmuster ausgerichtet ist - Streublumen vergeben genauso wenig wie Streifen, musste ich schon einmal feststellen. Nun acht Reihen hanseln. Auf dem Bild unten sieht man noch einmal im Detail, wie ich mit der Nadel mehrere Stiche auf einmal auffädle und auch wie die Reihen zueinander ausgerichtet sind. So, dem widme ich mich jetzt für den Rest des Abends.

Hanseln die Zweite





Tutorial: Einen Unterrock nähen

Unterröcke sind heute längst nicht mehr so essenziell, wie sie es für Jahrhunderte waren. Es gibt wahrscheinlich wenige Frauen, die überhaupt noch welche besitzen. 
Man kann es sich schon denken: Zu jenen gehöre ich ganz und gar nicht. Ich nenne zehn Stück oder mehr mein Eigentum, fein säuberlich zusammengerollt in einer Kiste in meinem Schrank, und es gibt nur wenige Tage im Jahr, an dem ich keinen von ihnen trage.

Auch auf Reisen nie ohne - Fußbad in Pont-en-Royans, Frankreich


Bevor es zur Anleitung geht, wie man sich ganz leicht selber einen, zwei oder ein Dutzend machen kann, möchte ich noch eine Lanze für Unterröcke brechen  Weil sie es verdienen.
6 Gründe, die für Unterröcke sprechen:

  • Hauptgrund: Sie geben Röcken mehr Volumen.  Das bedeutet bei langen, dünnen Röcken nicht nur, dass diese schöner fallen, sondern auch dass man sie beim Gehen nicht dauernd zwischen die Beine kriegt und sich bei jedem Schritt mühsam freistrampeln muss. Wirklich. Es funktioniert.
  • Sie wärmen. Unter zwei oder mehr Röcken bleibt es auch im Winter schön warm. Mir reichen den ganzen Winter Kniestrümpfe als Beinkleid unter einem Rock und einem Unterrock vollkommen (außer vielleicht beim Schlittenfahren). Frau spart sich also die lästigen Strumpfhosen, die ohnehin nur zwicken und rutschen.
  • Schutz. Es war einmal ein glühendheißer Sommertag - und ein unwissendes Fräulein, das sich dachte: "Heute ist es so heiß, dass ich es einmal wie alle anderen mache und auf meinen Unterrock verzichte. Ich werde vielleicht sogar glamourös aussehen, wenn der zarte Baumwollstoff meines Sommerrocks meine Beinchen umflattert." Der Glamourfaktor wurde jedoch leider in den Schatten gestellt von dem nicht ganz appetitlichen Erlebnis, im Bus Schenkel an Schenkel mit einer äußerst ... transpirierenden Dame sitzen zu müssen. Ein dünner Baumwollunterrock lässt sich auch an den heißesten Tagen des Jahres aushalten und hätte mich besagtes Fräulein vor dieser Erfahrung bewahrt.
  • Unter Tracht und Dirndl ist ein Unterrock ein absolutes Muss. Ob frau ihn lang genug aussucht, dass er am Saum hervorblitzt oder nicht, ist Geschmackssache, aber notwendig ist er. Denn: Ja, man sieht es, wenn die stolze Trachtenträgerin sich nicht auch noch einen Unterrock zu ihrem Outfit leisten wollte. Und das ist ein bisschen schade, weil es dann selbst dem teuersten Dirndl irgendwie an Form fehlt.
  • Man kann etwas Wunderwunderschönes vor allen anderen verborgen den ganzen Tag spazieren tragen. Etwas, das man nur für sich selber hat. Das ist doch auch ein bisschen der Sinn schöner Unterwäsche, oder? Und was glaubt ihr, wie viel Spitzengedöhns erst auf zwei oder mehr Metern weißer Baumwolle Platz haben?
  • Zuletzt besteht auch immer die Möglichkeit spontaner Zeitreisen. Und im 18. oder 19. Jahrhundert steht frau ohne was darunter ganz schön nackt da - eine Möglichkeit, auf die mich dieser Blog hingewiesen hat, bevor ich überhaupt wusste, was denn dieses "Doctor Who" ist, von dem alle dauernd reden. Man wird älter und weiser, und als mittlerweile glühendes Fangirl stimme ich vollkommen zu.

Jetzt aber los! Wenig ist so leicht und schnell genäht wie ein Unterrock


Das braucht man:


  • mindestens 1,5 m (weißen) Baumwollstoff, 140 oder150 cm breit, vorgewaschen, damit nichts mehr eingeht
  • 1 Taillen- oder Hüftlänge 2 cm breiten Einziehgummi, je nachdem, wo der Unterrock später sitzen soll (Gummi in leicht gedehntem Zustand messen)
  • Nähgarn
  • eventuell: 3 m Spitze für den Saum
  • zusätzlich zum üblichen Nähkram Unmengen an Stecknadeln


Es gibt viele Anleitungen für Stufenröcke im Internet. Und ich habe sie alle gelesen, als ich vor sechs oder mehr Jahren meinen ersten Unterrock genäht habe. Was nun hier folgt, ist meine eigene Essenz aus all diesen Anleitungen, fürcherlich lang und detailliert, und gerade deswegen hoffentlich für AnfängerInnen wie für Fortgeschrittene hilfreich.


Maß nehmen
Das geht ganz schnell, man braucht nur zwei Zahlen: Den Körperumfang an seiner breitesten Stelle und die Länge, die der Unterrock haben soll, meistens 5 bis 10 cm kürzer als der Rock oder das Kleid, unter dem er getragen werden soll.

Für den Umfang einmal das Maßband rundherum um die breiteste Stelle wickeln und ablesen - für viele ist das der Hintern, bei anderen vielleicht auch der Bauch. Wichtig ist nur, dass ihr auch wirklich die breiteste Stelle erwischt, damit sich der fertige Rock dann auch anziehen lässt.

Die Rocklänge ermitteln wir, indem wir uns das Maßband mit dem Ende nach unten in die Taille halten (oder an die Hüfte, je nachdem, wo der Gummibund sitzen soll) und zwar so weit nach unten, bis das Ende des Maßbandes auf der gewünschten Höhe ist. Die benötigte Länge kann man dann ganz bequem auf Taillenhöhe ablesen. Wenn euch das zu ungenau ist, bittet eine Freundin, euch beim Maßnehmen zu helfen.

Unten nochmal ein Bild dazu: Grüne Linie ist der Popoumfang, sagen wir einmal 100 cm. Azurblaue Linie ist die beabsichtigte Rocklänge. Hier beginnt sie in der Taille, dort wo der Bund des Unterrocks später anliegen soll und auch das Schürzenband des Dirndls gebunden ist. Nehmen wir für die Rocklänge einmal 80 cm an.

Hinternumfang und Rocklänge


Schnittmusterzeichnen

Keine Angst, es ist denkbar simpel.

Unser Stufenrock besteht aus nichts anderem als aus drei Bahnen. Die erste hat etwas mehr als Hinternumfang, damit man das Ganze bequem anziehen kann. Sagen wir, 110 cm.
Die zweite Bahn machen wir nicht ganz doppelt so lang, die dritte soll den größtmöglichen Umfang haben, den wir aus unserem Stück Stoff herauskitzeln können.
Jede Bahn ist 30 cm hoch (ergibt sich aus der beabsichtigten Rocklänge von 80 cm plus 10 cm Zugabe = 90cm, dann durch drei geteilt). Die Nahtzugaben sind hierin schon enthalten, etwa 5 cm oben für den Tunnelzug und jeweils 1 cm überall dort, wo gerüscht wird. Den bodenwärtigen Saum werden wir mit Spitze verbrämen, da brauchen wir also auch nicht wahnsinnig viel Zugabe, rechnen wir mal einen Zentimeter. Die oberste Bahn wird ein wenig kürzer als die beiden unteren - was auch gut so ist, da das den Unterrock optisch streckt und außerdem für mehr Beinfreiheit sorgt.

Das klingt jetzt in der Theorie vielleicht verwirrend, ist jedoch ganz einfach. Am besten, man zeichnet sich das in Ruhe auf: Ein Stoffstück, 140 cm breit und 150 cm lang.
Hier mal ein Plan für die drei Bahnen mit meinen Maßen.


Zuschnittplan für die drei Stoffbahnen des Unterrocks


Weil 110 cm schon ein anständiger Popoumfang ist (ich darf das sagen, es ist ja mein eigener!), bleibt von den 140 cm Breite unseres Stoffstücks für die zweite Rockstufe nur mehr 2 x 85 =170cm. Wenn man den Rock bauschiger haben möchte, kann man einfach an die zweite Bahn anstückeln, und zwar mit dem gepunktet eingezeichneten Stück ganz unten. 50 cm mehr ergeben insgesamt 220 cm für die zweite Stufe. Die dritte Stufe besteht aus zwei ganzen Bahnen und hat damit 280 cm. Man kann auch hier anstückeln, wenn man unten noch mehr Durchmesser haben will (und noch Stoff übrig hat). Aber eingedenk dessen, dass man das alles auch einreihen/ rüschen muss, lassen wir es hier mit 280 cm gut sein.

Zuschneiden

Bei diesem simplen Schnitt spart man es sich, einen Papierschnitt zu machen: Einfach alles auf den Stoff zeichnen. Ich mach das gerne mit kontrastfarbigen Buntstiften, was leichter geht als mit Schneiderkreide. Aber Achtung! Buntstifte lassen sich unter Umständen nicht mehr auswaschen, also diese Methode nur an Schnitten wie diesem hier anwenden, wo man im Grunde ohnehin nur in der Nahtzugabe anzeichnet.

Nach dem Anzeichnen ausschneiden. Dabei am besten immer die beiden Teile, die zusammen eine Bahn ergeben werden gleich rechts auf rechts (schöne Seite auf schöne Seite) zusammenlegen (z.B. bei Stoffen mit Lochstickereien wichtig).

... uuund Nähen

Nun jeweils die zwei Stücke, die eine Bahn bilden, zusammennähen (rechts auf rechts) und die Kanten versäubern. Jetzt hat man drei unterschiedlich lange Stoffstreifen, und der richtige Spaß geht los.

Am längsten Stoffstreifen entlang der oberen Kante (oben und unten sind hier wiederum nur wichtig bei Stoffen mit einem eindeutigen Muster) mit der Hand und nicht zu schwachem Nähgarn eine Heftnaht nähen. Diese Heftnaht muss aus einem durchgehenden Faden bestehen, also den Faden nicht gleich, sondern an der Spule lassen, am Anfang nicht vernähen und ihn im Laufe der Naht immer weiter ziehen. Am Ende der Naht den restlichen Faden zum Sichern achtförmig um eine Stecknadel wickeln. Nun kann man auch den Faden am Anfang von der Spule reißen und genau so sichern wie den Faden am Ende. Den gesamten Heftvorgang mit der zweitlängsten Stoffbahn wiederholen. Bei beiden Stoffbahnen jeweils die Mitte durch Zusammenfalten ermitteln und mit einer Stecknadel markieren.

(Wenn dir das Handnähen zu blöd ist, kannst du auch an der Nähmaschine einen Zickzackstich einstellen und diesen über einen reißfesten Faden, z. B. Häkelgarn, laufen lassen. Dabei aufpassen, dass du nicht in diesen Faden nähst, damit du den Stoff später entlang des Fadens verschieben kannst.)

Einreihen / Rüschen

Nun kommt das Einrüschen. Dazu braucht man vor allem Platz und Stecknadeln.Und Geduld. Davon aber entschieden weniger als von den Stecknadeln, keine Angst.
Die mittellange Stoffbahn flach auf dem Boden auslegen, sodass die schöne Seite des Stoffes nach oben zeigt und die Kante ohne Heftnaht von dir weg. Nun die längste Stoffbahn mit der schönen Seite nach unten (die beiden Stoffe liegen jetzt "schön auf schön") und der Heftnaht zu dir hin auf die erste Stoffbahn legen. Diese zweite Bahn ist natürlich viel länger als die erste, und da kommt jetzt das Rüschen ins Spiel: Die Bahnen jeweils am Anfang, am Ende und in der mit einer Stecknadel markierten Mitte der Heftnaht zusammenstecken. Nun die Stecknadel, mit denen der Heftfaden gesichert ist, herausziehen. Jetzt vorsichtig am Heftfaden ziehen (oder bei der Methode mit der Nähmaschine an dem Faden, den man unter dem Zickzackstich hat mitlaufen lassen) und so die überflüssige Weite der untersten Bahn einmal provisorisch in Falten legen. Den Heftfaden wieder achtförmig um die Nadeln am Anfang und am Ende der Naht schlingen, und dann einfach die gelegten Fältchen gleichmäßig über die ganze Länge der Kante verteilen. Dabei alle paar Zentimeter mit Stecknadeln sichern. Das ist die ganze Hexerei!

Dann alles ganz vorsichtig zur Nähmaschine tragen und knapp unterhalb der Heftnaht mit dem Geradstich einmal über die Falten nähen, um sie zu fixieren. Dabei vorsichtig vorgehen, und die Falten eventuell während des Nähens mit einer Stecknadel oder der Scherenspitze immer wieder unter das Füßchen der Nähmaschine schieben. Ich persönlich nähe nicht über Stecknadeln, das habe ich meiner wunderbaren Nähmaschine versprochen, als ich sie mir angeschafft habe. Falls du es der Bequemlichkeit halber dennoch tun willst: immer nur vollkommen gerade Stecknadeln verwenden und verbogene sofort aussortieren!

Anschließen oberhalb der Naht beide Stoffstreifen zusammen versäubern. Und damit ist der halbe Unterrock fertig!

Diesen wiederum an das bisher unbeachtete oberste, kürzeste Teilstück anrüschen. Wieder beide Teile, schöne Seite auf schöne Seite, zusammenstecken, Falten verteilen, alle paar Zentimeter mit Stecknadeln sichern und anschließend mit der Maschine darübernähen und versäubern. Penible Seelen können jetzt die Heftnähte ziehen, was ich aber meistens nicht mache, weil man die eh nicht sieht.

Jetzt den Unterrock einmal um die Hüften schlingen und sich daran erfreuen, dass er eigentlich schon fast fertig aussieht!

Endspurt

Den Rock jetzt wieder rechts auf rechts zusammenlegen und die seitliche Naht schließen und versäubern. 
Als Nächstes kommt der Tunnelzug: Hierfür einfach das obere Ende der obersten Stufe zweimal umschlagen, sodass ein Tunnel entsteht, durch den unser zwei Zentimeter breiter Gummi gerade so durchpassen wird. Tunnel festnähen, dabei aber nicht ganz rundherum nähen, damit man anschließend den Gummi einziehen kann: etwa fünf Zentimeter vor dem Beginn der Naht aufhören und vernähen.

Gummi an einer größeren Sicherheitsnadel befestigen und durch den Tunnelzug fummeln. Die Enden des Gummis entweder verknoten oder, eleganter, zusammennnähen. Dazu mehrere Reihen von oben nach unten im Geradstich nähen und jede gut sichern.
Optional: Damit der Gummi sich im Tunnelzug nicht verdrehen kann, mit zwei oder drei Nähten im Geradstich um den Bund herum fixieren. Beim Nähen unbedingt den Gummi gedehnt halten - das erfordert ein bisschen Fingerspitzengefühl, lohnt sich allerdings wegen des schöneren Ergebnisses wirklich.

So, jetzt kann man den Rock schon mal anziehen! Falls hinsichtlich der Länge noch Korrekturen erforderlich sind: Das ist der Moment. Wenn der Rock zu lange ist, einfach beim Säumen ein paar Zentimeter mehr einschlagen, eventuell auch noch etwas abschneiden. Wenn er wider Erwarten doch zu kurz sein sollte, kann man mit der Spitze meistens ein paar Zentimeter dazuschummeln. Säumen ist denkbar einfach, weil wir es ja mit einer schnurgeraden Kante zu tun haben: zweimal umschlagen, feststecken, nähen. Am Schluß noch die Spitze feststecken, annähen und tadaaaaa! Fertig ist der erste eigene Unterrock!

Montag, 2. Februar 2015

Tutorial: Patchwork für Nicht-Patchworkerinnen - Neunerblöcke

Patchwork fasziniert mich schon lange, da vor allem die gequilteten Decken. Es ist eine grandiose Art, Stoffe wiederzuverwenden und dabei etwas Praktisches herzustellen, vielleicht sogar ein Erbstück. In den USA sind Quilts ja ein ganz großes Ding, und es ist teilweise schon unglaublich, was für Kunstwerke die Quilterinnen dort herstellen. 
Das hat dort eine lange Tradition. Die letzten paar Wochen habe ich mich ganz der Obsession für Laura Ingalls Wilders "Little House"-Bücher hingegeben - bei uns sind sie den meisten als die Fernsehserie "Unsere kleine Farm" bekannt. Die Bücher sind mehr als nur Geschichten für Kinder, sie sind Momentaufnahmen des Lebens am Rande der Zivilisation. Die Autorin schildert sehr anschaulich, wie Dinge des täglichen Bedarfs selbst hergestellt werden, vom Brot über Räucherfleisch, Strohhüte bis zum Blockhaus. Quilts spielen in diesem einfachen, arbeitsamen Leben eine wichtige Rolle, und die Mädchen in der Geschichte nähen von klein auf an den ihren. Immer wieder ist von einem Nine-Patch-Block die Rede, und einen solchen integriere ich nun auch in meine Patchworkdecke.
Ich betrachte mich selbst nicht als Patchworkerin. Dazu fehlt mir die Geduld, die erforderliche Genauigkeit beim Arbeiten und vor allem auch eine gewisse Liebe zum Bügeln. Aber ich möchte eine Patchworkdecke machen, und damit bin ich bereits erstaunlich weit. Manches ist ein bisschen schief, manches würde eine erfahrene Patchworkerin wohl anders lösen - aber es funtioniert und ich mag das Ergebnis. 
Hier also die Anleitung zu den Neunerblöcken, die das ganze ein bisschen mehr Unsere-Kleine-Farm-ig machen sollen.

Das braucht man:

zwei kontrastierende Baumwollstoffe, die zusammenpassen: je eine Stoffbreite (meistens 140cm) mal 15 cm, unbedingt vorgewaschen, damit sie später nicht mehr eingehen oder ausbluten
Schere
Patchworklineal (nicht ganz billig, aber eine Anschaffung, die sich unbedingt lohnt!)
einen weißen und einen dunklen Farbstift
Nähmaschine oder Nadel und Faden und entsprechend mehr Geduld
Stecknadeln



Die fertigen Blöcke werden 9 x 9 cm groß sein, jedes Kästchen davon 3 x 3 cm. Mit der angegebenen Stoffmenge näht man 16 oder 17 Stück, je nachdem, wie breit der Ausgangsstoff ist.

Ich arbeite hier mit einer Nahtzugabe von 1cm. Das bedeutet also, wenn ein fertiges Kästchen 3 cm hoch sein soll, muß jeder Stoffstreifen 3+1+1cm hoch sein, also 5cm. Entsprechend kann man die Maße der fertigen Blöcke auch ganz leicht vergrößern oder verkleinern.

Mahnender Zeigefinger, der vor allem mir selbst gilt: Es ist wichtig, hier so genau wie möglich zu arbeiten, sonst passt später nicht alles so zusammen, wie man sich das vorstellt. Also wirklich alles mit dem Lineal messen, nichts nach Augenmaß, Kanten immer begradigen, bevor man beginnt, genau bügeln.
Aber auch nicht zu viel sorgen! Kleine Unregelmäßigkeiten geben der Handarbeit ja auch Charakter und sehen meist nur für einen selbst schlimm aus.

Stoff, Schere, Stifte, Patchworklineal
Einen der beiden Stoffe flach am Boden oder einem großen Tisch auflegen. Ich nehme die Stoffe der Breite nach, im Bruch einmal gefaltet. Der Stoff liegt also doppelt, Webkante auf Webkante. Ich messe jetzt fünf Zentimeter nach oben und mache da einen Strich über die ganze Breite des Stoffes. Wichtig ist hier, dass der untere Rand so gerade wie möglich ist und die beiden Lagen Stoff exakt übereinander liegen.


Drei 5cm breite Streifen markieren und abschneiden.
Ich nehme zum Markieren meistens Buntstifte oder Bleistifte, weil sie leichter zu verwenden sind als Schneiderkreide. Was man dazu wissen muß: Buntstifte lassen sich unter Umständen nicht auswaschen. Also damit nichts markieren, das am Ende auf dem fertigen Stück zu sehen sein wird!

Die drei fertig abgeschnittenen Streifen.






Vom zweiten Stoff ebenso drei 5cm hohe Streifen abschneiden.

So, jetzt hat man sechs Stoffstreifen, und es geht ans Zusammennähen: einen vom ersten und einen vom zweiten Stoff schöne Seite auf schöne Seite so bündig wie möglich zusammenlegen und mit einer Nahtzugabe von 1cm zusammennähen. Dabei aufpassen, falls der Stoff eine Richtung hat wie bei meinem hellen mit den Streublumen: Es ist schöner, wenn die Blüten der Blumen alle in die gleiche Richtung schauen.


Schöne Seite auf schöne Seite legen und mit 1cm NZG zusammennähen.
Die meisten Nähmaschinen haben Markierungen auf der Stichplatte, die einem helfen, die Nahtzugabe genau einzuhalten. Ansonsten kann man sich auch mit einem Stück Klebeband oder vielleicht einem beherzten Strich mit dem Permanentmarker abhelfen.

Nun an diesen Doppelstreifen noch einen weiteren annähen, sodass das ganze vage einer sehr langgezogenen österreichischen Flagge ähnelt - also dunkel-hell-dunkel, niemals zwei gleiche Streifen nebeneinander.

Einen dritten Stoffstreifen annähen.

Das selbe mit den verbliebenen drei Stoffstreifen wiederholen, nun hell-dunkel-hell. Das Ganze schaut dann aus wie unten und muss noch ausgebügelt werden. Die Nahtzugaben auf die Seite des dunkleren Stoffes bügeln, da sie durch den helleren durchscheinen könnten.

Ausbügeln. Keine Falten hineinbügeln, vor allem nicht neben den Nähten, und sich nicht die Finger verbrennen :(

Nun wieder zurück an den Schneidetisch /-boden. Anfang und Ende jedes der Streifen mit dem Lineal begradigen und dann die Streifen in 5cm breite Stücke schneiden.

Wenn man faul ist, so wie ich, und mit ein bisschen Ungenauigkeit in der fertigen Decke leben kann, legt man den Streifen einmal der Länge nach zusammen (im Bild unten kann man an der Unterkante sehen, dass er doppelt liegt) und arbeitet sich dann sehr, sehr vorsichtig vor, um sich das Stecknadelstecken zu sparen. Spar die Hälfte der Arbeitszeit, da man mit jedem Schnitt zwei Stücke bekommt statt nur eines. Unbedingt vorher testen, ob das die benutzte Schere auch mitmacht, weil da schon so einige Lagen Stoff zusammenkommen!

Stoffstreifen in 5cm breite Stücke schneiden.
Das macht man mit beiden Stoffstreifen. Man hat dann zwei Häufchen mit Stoffstücken, die alle annähernd gleich groß sind. Zurück an die Nähmaschine damit!

Von jedem Häufchen ein Stück nehmen und schön auf schön zusammenstecken. Dabei daran denken, wie herum man es der Nähmaschine füttert, und die Nahtzugaben entsprechend feststecken, damit das Füßchen der Maschine sie nicht mitschiebt und sie so liegen bleiben, wie wir sie mühsam gebügelt haben.

Nahtzugaben feststecken, eventuell noch oben und unten Stecknadeln rein, damit sich nichts verschiebt.

Nur absolut gerade Stecknadeln verwenden und vorsichtig drübernähen, damit es mit der Maschine keine Probleme gibt. Die beiden Stücke zusammennähen, wieder mit einer Nahtzugabe von 1cm.

Zusammennähen


An diese beiden Stücke nun noch ein drittes anfügen. Ob man das rechts oder links tut, ist egal, man darf nur nie zwei gleich Stücke nebeneinander haben. Nun sollte die Sache so ausschauen:

Tada! Fertiger Neunerblock.

Den nächsten Neunerblock gegengleich machen, in diesem Fall also mit nur einem Stück mit zwei dunklen Abschnitten und dafür mit zwei Stücken, die oben und unten einen hellen Abschnitt haben. Ansonsten ab hier immer gleich vorgehen: Nahtzugaben, die gegen die Nährichtung liegen werden, feststecken, und los geht's.

Der zweite Neunerblock
Nun munter immer so weitermachen, bis man am Ende der beiden Stapel angelangt ist. Es kann sein, dass Stücke übrig bleiben, die kann man allerdings sicher wo anders verwenden - so eine Patchworkdecke kann ja ganz schön groß werden.

Es empfiehlt sich, die beiden verschiedenen Neunerblöcke wirklich abwechselnd zu arbeiten, damit man, ohne mitzählen zu müssen, am Schluß von jeder der beiden Arten gleich viele hat.

Wenn man durchgehend nur einen der beiden Blöcke machen will und den anderen gar nicht, könnte man gleich am Anfang den entsprechend weniger gebrauchten der beiden Dreierstreifen zum Zuschneiden kürzer machen. Man sollte dann davon nur halb so viele Abschnitte brauchen. Das hab ich aber noch nicht probiert.


Von hinten sehen die beiden Blöcke wie folgt aus:

Blöcke vor dem Bügeln von hinten. Die Nadeln halten die NZG fürs Foto auf ihrem Platz.

Jetzt noch die Nahtzugaben bügeln, immer schön zum dunkleren Stoff hin. Und fertig!

Das sieht zwar nach sehr viel Arbeit aus, aber geht durch die Serienproduktion überraschend schnell. Nach ein paar Stunden habe ich schon einen ganz netten Stapel mit Neunerblöcken, die darauf warten, an meine Decke genäht zu werden.

Die Früchte der Arbeit.
Die Methode nennt sich strip piecing und läßt sich auch für viele andere Patchworkdesigns anwenden. Hier gibt es eine tolle englischsprachige Beschreibung, in der klassisch mit Rollschneiders geschnitten wird.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Tutorial: Lavendelsackerl

Zu den Gastgeschenken auf unserer Hochzeit müssen Lavendelsackerl gehören, das war von Anfang an klar. Sie passen perfekt zu unserem Motto "Vintage und Tracht" und unser beider Affinität zur Provence (ja, ich weiß, das ist was für ältere Leute, aber es ist wirklich soooo schön dort!). Tatsächlich ist kein einziges übriggeblieben, also waren sie auch beim Publikum ein voller Erfolg.

Das braucht man:
getrockneten Lavendel
einen Rest Stoff, am besten mit Folklore-Muster
eine normale Schere und eine Zackenschere (die ist optional, erspart aber viel Arbeit)
Garn oder Satinband zum Zusammenbinden
zum Verschönern noch ein kleines Holzornament und ein bißchen Leim
Nähmaschine oder Nadel und Faden und etwas mehr Geduld




Zuerst einmal muß man entscheiden, welche Größe das Sackerln haben soll. Ich messe so was nicht, sondern mache das Pi mal Daumen und orientiere mich beim Schneiden am Musterrapport, schneide also einfach an einer Reihe der Streublumen entlang. Sagen wir mal, man will ein Sackerl, das am Ende so 4 x 8 cm groß ist. Zuschneiden sollte man sich dann ein Stoffstück 4 x 16 plus Zugaben, also so ungefähr 5 mal 18 - nur zur Sicherheit.
Dann faltet man das ganze einmal rechts auf rechts und näht die Seiten zusammen.

Oben kann es ruhig schief sein, das schneiden wir nachher sowieso mit der Zackenschere ab. Es soll auch Leute geben, die vor dem Zuschneiden bügeln.

Das Zusammennähen erfolgt bei meiner braven Elna-Maschine mit ihrem wunderbaren Overlock-Stich, also Nähen und Versäubern in einem Arbeitsgang. Wenn man so einen Stich nicht hat, empfiehlt es sich, zuerst mit Geradstich etwa einen Zentimeter von der Kante weg die beiden Seiten zusammenzunähen und dann noch extra mit Zickzack zu versäubern, damit sich später nichts auflöst.

Die Seiten zusammennähen mit dem Overlockstich.


Was man dann hat, schaut so aus:

An der oberen Naht kann man schön den Overlockstich sehen, über die untere sprechen wir nicht.
Links mussten wir nichts zusammennähen, weil da der Stoff gefaltet war,
rechts ist das Sackerl noch offen.


So, jetzt haben wir einen kleinen Sack, der oben (hier rechts) offen ist. Jetzt wird gewendet. Ist ja nur ein paar Zentimeter lang, also keine so schlimme Sache wie bei Dirndlschürzenbändern. Einfach mit den Fingern rein, die Ecken schön rausdrücken und fertig.

Wenden. Auch das wieder ein wunderbarer Moment zum Bügeln eigentlich.

Und schon kann befüllt werden. Hierzu braucht man Lavendel, den entweder kaufen kann oder selbst in der Küche getrocknet hat: Einfach nach der Ernte zu Bündeln zusammen fassen und an einem gut durchlüfteten, trockenen Ort (oder eben der Küche, wenn man nichts anders hat) aufhängen und dann die Blüten mit den Fingern von den Stielen rebeln.


Getrockneter Lavendel - jetzt müssen nur noch die Blüten von den Stielen gestreift werden.


Die Lavendelblüten in eine große Schüssel füllen, und es kann losgehen. Am besten die Enden des Sackerls umschlagen, es über die Schüssel halten und voll löffeln.

Befüllen des Lavendelsackerls.


Gelegentlich oben festhalten und ein bisschen aus dem Handgelenk schwenken, damit der Lavendel nach unten geht. Ein Band oder zweifarbig verzwirntes Häkelgarn (Tutorial folgt) zum Zusammenbinden verwenden. Besonders unsichere Naturen machen nicht nur ein Schleifchen, sondern knoten die Schleifenenden dann auch noch mal fest zusammen.

Nun kommt die Zackenschere zum Einsatz: Damit man das obere Ende des Sackerls nicht versäubern muss, einfach damit zurechtschneiden.

Einsatz für die Zackenschere - eine nicht ganz billige Anschaffung, die sich aber lohnt.

Zur Aufhübschung noch ein hölzernes Vögelchen aus dem Bastelbedarf draufgeklebt. Hier braucht man keinen teuren (und übelriechenden) Textilkleber, es reicht Leim.

Kleiner EXKURS: Leim reicht so ziemlich überall. Ich bin bisher beim Basteln noch auf nichts gestoßen, was sich mit Leim nicht bombensicher kleben ließe, und habe mir so schon einen Haufen Spezialkleber gespart.

Fertig!


Und hier noch einmal, präsentiert von Agathe dem Nilpferd.
Agathe looking sassy.



Donnerstag, 25. September 2014

Vorstellung der Beteiligten II: Meine Nähmaschine - drum prüfe, wer sich ewig... etc.

Hier ist sie, meine Nähmaschine:




Die Elna Explore 340 - ich verwende sie immer ohne Anschiebetischchen, weil ich mir das einmal angewöhnt habe. Aber sie hat natürlich eines :)

Ihre Vorgängerin war eine billige Singer, geschätzt noch keine fünf Jahre alt, mit der ich mich am Schluß schon sehr geärgert habe (Dass das Teil plötzlich spinnt und der Unterfaden nur noch 1000 Schlaufen am Stoff macht, kennt jede Näherin. Aber wenn so was zum Dauerfall wird, ist's aus mit der Liebe). Wobei ich zugeben muss, dass ich auch nicht allzu zimperlich mit ihr umgesprungen bin. Ich werde leicht zornig, wenn Maschinen nicht das tun, wozu sie gedacht sind - funktionieren nämlich.

Diesen März war es dann soweit: Singer endgültig tot, eine neue Nähmaschine musste her. Es gibt da ja die tollsten Teile - mit Dutzenden wunderschönen Zierstichen und Zusatzfunktionen, bei denen das Nähen wie von selbst geht. Wie entscheidet man sich da? Ich habe mich in Foren umgesehen und technische Beschreibungen gewälzt und mir kurz und gut wieder mal Nächte im Internet um die Ohren geschlagen, wofür es immer den einen oder anderen Grund zu geben scheint.

Meine destillierten Erfahrungen stelle ich hiermit anderen zur Verfügung, die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind :)

Zuerst einmal sollte man sich fragen, was man denn überhaupt braucht. Sicher gibt es Maschinen um 1000 oder 2000 Euro. So viel Geld  habe ich für ein Hobby aber schlicht nicht zur Verfügung. Sechs Dutzend Quiltstiche klingen zwar verlockend, und ich muss auch ein bisschen sabbern, wenn ich solche Maschinen bei anderen Näherinnen sehe, aber in welchem Ausmaß werde ich in den nächsten Jahren tatsächlich quilten? Eben. Hier also meine Anforderungen an die Singer-Nachfolgerin:
  • Sie sollte robust sein - weil ich auch mal auf die Idee komme, dass ich einen Mantel oder einen Strohhut nähen will, und von wegen Jähzorn und so.
  • Sie sollte tunlichst länger halten als die zwei bis vier Jahre, auf die sämtliche Elektrogeräte in meinem Besitz, so auch meine alte Singer, programmiert zu sein scheinen (Stichwort Geplante Obsoleszenz).
  • Moderater Preis ist unerlässlich, da ich als Buchhändlerin und In-Graz-Miete-Zahlerin nicht gerade zu den Superreichen gehöre.
  • Ein paar Zierstiche wären nett, denn ohne ist das feeling gar so basic.
  • Sie sollte mechanisch sein, nicht elektronisch, weil ich mir einbilde, dass so was weniger fehleranfällig und im Zweifelsfall leichter zu reparieren ist.
  • Und da kommen wir auch gleich zum Technikblabla: Ich wollte keine Maschine mit CB-Greifer. Konkret geht es hier um das Teil, in das man die Unterfadenspule einsetzt, beziehungsweise das Teil, das den Unterfaden "greift" und mit dem Oberfaden zum Stich verbindet - oder zu Knoten oder superlustigen Fransen, die man nur mir Gewalt wieder aus dem Stoff trennen kann. CB-Greifer sind Standard in billigen Nähmaschinen, so auch in meiner geschrotteten Singer. Umlaufgreifer hingegen findet man in teureren und in Industriemaschinen, weil sie weniger fehleranfällig sind. Hier ein Überblick von Leuten, die das besser erklären können als ich. 
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In der Preiskategorie, in der ich mich bewege, bleibt da nicht viel - ich sach mal frank und frei, wie's ist: nicht über 500 Euro.
Natürlich kriegt man um 100 Euro auch schon Nähmaschinen. Und Leute, die nur gelegentliche Ausbesserungsarbeiten damit durchführen, kommen mit so was wahrscheinlich auch wunderbar aus. Aber bei mir kann so ein Besessenheitsanfall mit einem neuen Projekt schon mal einen ganzen Tag Betrieb für das Schätzchen bedeuten. Und meine Röcke haben laaaange Säume und viele Rüschen, weil ich eine alte Kitschtante bin. Heavy duty also.
Die Marke Elna befindet sich mit einigen Modellen innerhalb meiner Preisvorstellungen und hat in gewissen Foren, in denen ich mich seit Ewigkeiten lesend herumtreibe, einen guten Ruf. Keinen so guten Ruf hat hingegen mehr Singer, die sich auch in nämlichem Preissegment tummelt und für einen Laien ja nach der Nähmaschine schlechthin klingt. Ich war ja mit meiner auch nicht sehr glücklich.

Getreu dem Grundsatz Buy Local habe ich mich in dem von mir seit vielen Jahren nicht beachteten Grazer Nähmaschinenshop in der Annenstraße umgesehen. Und ich habe es nicht bereut. Die Damen dort haben mir sehr nett erklärt, was die Elna Explore 340 so mitbringt. Nach einer fast einstündigen Einschulung (Das mach denen mal nach, Amazon!), habe ich mein neues Schmuckstück stolz in einem großen, blauen Ikeasackerl heimgetragen. Seitdem hab ich sie in Verwendung.
Und ein halbes Jahr und vier Röcke, anderthalb Dirndlschürzen, drei Wimpelketten, ein Brautkleid, zwei Meter Froschgoscherl, eine Handtasche, ein Strumpfband, ein Paar Brautstulpen, dreißig Lavendelsackerln, zehn Mini-Wimpelketten und diverse Änderungsarbeiten an Kleidern, Dirndln, Unterröcken später, denke ich, ist es Zeit für ein erstes Resümee.


Hier mein Testbericht der Elna Explore 340 nach einem halben Jahr in Gebrauch:

Vorweg der Preis: Mit 450 Euro bei meiner Händlerin am Rande meiner persönlichen Schmerzgrenze. Überzeugt haben mich jedoch die Dinge, die sie für diesen Preis mitbringt.

Zubehör: Normaler Fuß, Reißverschlussfuß, Fuß für den Overlockstich, Knopflochfuß, Nahttrenner (erst mit jedem neuen merkt man, wie stumpf der bisherige schon war), Spulen und ein Minischraubenzieher.  Es fehlt nichts Wesentliches, sodass ich bis dato nichts nachkaufen musste.

Schon bei der ersten Inbetriebnahme fällt auf, dass dieses Schätzchen mehr kann als meine letzte.
Stichwort: Nadeleinfädler. Kommt einem auf den ersten Blick vielleicht nicht gerade wie ein wahnsinnig glamouröses Feature vor, wird aber von Besitzerinnen einer Maschine mit ebensolchem immer sofort erwähnt. Also halte ich mich hier mal an die Tradition und tu das auch: Sie hat einen Nadeleinfädler, und der ist wahnsinnig praktisch. Ich verwende ihn praktisch immer, und er erspart mir viel Fummelei.




Was einem noch mehr Fummelei erspart, ist der Umlaufgreifer. Halleluja, keine Schlaufen und Fransen mehr, keine im Greifer verhängten Fäden, keine in den Stoff verbissene Maschine! Ein Traum wird wahr. Im letzten halben Jahr hatte ich nur einen einzigen Verhängungszwischenfall mit meiner sagenhaften Elna. Und da hat sich nach einigem Blockieren (Maschine) und Geheule (meinerseits - "neue Maschine geschrottet buhu"!!!) herausgestellt, dass es schlicht ein AnwenderInnenfehler war. Auch der wunderbarste Umlaufgreifer nützt nichts, wenn man den Oberfaden nicht richtig eingefädelt hat. You live, you learn.
Soooo toll und hilfreich ist angeblich, dass man die Unterfadenspule, da sie ja unter einer Plexiglasabdeckung direkt vor dem Nähfuß liegt, immer sehen kann und damit auch abschätzen, wieviel Faden noch drauf ist. Hab ich jetzt schon oft gehört, haut mich jetzt aber nicht vom Hocker. Beim Nähen liegt eh immer der Stoff über diesem Plexiglasding, und ansonsten ist es auch bei meiner alten Maschine nicht so fürchterlich kompliziert gewesen, die Spulenkapsel kurz herauszuziehen und die Spule anzuschauen. Apropos Spulenkapsel: die gibt es hier nicht, man legt die Spule einfach ein. Das einzige, worauf man achten muss, ist die Richtung, in die der Faden abläuft - geht problemlos, da auf der Abdeckung (im Bild noch nicht aufgelegt) angezeichnet.



Knopflochautomatik. Hat sie auch. Ich gehöre zu den Leuten, die niemals hübsche Sommerkleidchen genäht haben, weil ähm... da meistens Knopflöcher drin sind. Das war mir immer zu kompliziert. Und meine neue Elna ist ja nur eine mechanische Nähmaschine - wie jetzt, Knopflochautomatik? Aber sie funktioniert einwandfrei und nach einem eigentlich simplen Prinzip, einem speziellen Fuß, in den man den gewünschten Knopf einlegt, sodass die Maschine "weiß", wie weit sie jeweils nähen muss. Ein Knopfloch dauert bei mir jetzt samt Nachdenken, auf dass es am Schluß auch richtig herum genäht werde, und anschließendem vorsichtigen Aufschneiden heiße zwei Minuten, das zweite geht wegen Wegfallens des Nachdenkens in einer halben. Gleich nach ein paar von Leonardo da Vincis Ideen die coolste Erfindung ever!

Dann hat mir die Verkäuferin im Shop noch den Overlockstich (unten im Bild Stich Nummer 18) ans Herz gelegt. Hat mich zuerst nicht so richtig begeistert, weil natürlich kein echter Overlockstich, weil die Maschine keine Overlock ist und auch nichts geschnitten wird. Aaaber: Es ist schon praktisch, nicht mehr wie früher zuerst die Naht gerade runter zu nähen und dann anschließend noch mit dem Zickzackstich zu endeln, sondern beides gleich auf einmal zu machen. Wie gut diese Nähte haltbar sind, wird sich noch herausstellen, doch einstweilen bin ich damit zufrieden.


Zierstiche gibt es ein paar wenige. Brauche ich eigentlich, wie wohl die meisten, kaum. Für mein Hochzeitsgästebuch hab ich mich ein bisschen mit einem von ihnen gespielt, und finde, die Sache ist ganz nett geworden (auf dem Bild unten sieht man den fertigen Buchdeckel auf meiner aparten Plastiktischunterlage). Bei größeren Werkstücken könnte einem allerdings schon die Geduld (oder das Garn) ausgehen, weil das halt irrsinnig viel zu nähen für die Maschine ist und daher ewig dauert, bis das gute Stück da ein paar Zentimeter davon runtergerattert hat.



Robustheit: Bisher tut sie brav, worum auch immer ich sie bitte. Bei vielen Lagen Stoff, wird sie allerdings gerne mal laut und schwer gängig, und das eher, kommt mit zumindest vor, als meine "alte" Singer. Diese hat mir, aller Ärgerei mit ihr zum Trotz, immerhin mehrere Lagen Lodenstoff genäht, als ich mir einen Mantel eingebildet habe. Nicht irgendeinen, sondern einen ganz speziellen übrigens. Hinzufügen sollte ich wohl, dass bei mir der bekannte Jeanssaumtest wegfällt, da ich mit Hosen nicht viel am Hut hab :)
Heute hab ich zum Beispiel, ein Kleidchen aus etwas dickeren Polystoff geändert, und da hab ich schon gemerkt, wie die Gute bei einem dicken Saum, an den auch noch ein Träger angenäht ist, an ihre Grenzen stößt. Wir haben's aber mit ein bisschen Fingerspitzengefühl und Drehen am Handrad geschafft.



Alles in allem bin ich mit der Maschine sehr glücklich und bereue die Ausgabe kein bisschen. Sie kann genau das, was ich mir von ihr erwartet habe, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Abraten würde ich von ihr nur Leuten, die entschieden mehr nähen als ich oder gar professionell, die viel mit Zierstichen machen wollen, oder umgekehrt solchen, die die Maschine nicht oft brauchen und deshalb auch mit einer auskommen würden, die nur ein Viertel dessen kostet, was man für diese ausgibt.