Donnerstag, 2. April 2015

Tutorial: Deocreme, die wirklich wirkt (und wahrscheinlich sogar eßbar ist)

So, liebes Internet. Jetzt, wo wir uns schon so lange kennen, mal ein etwas unfräuleinhafteres Thema: Körpergeruch. Will man nicht haben. Gibt man viel Geld dafür aus, dass das nicht passiert, oder?
Was habe ich nicht Deos ausprobiert, immer auf der Suche nach dem einen, das auch wirklich den ganzen Tag hält. Auch im Sommer. Auch bei Anstrengung. Auch bei Angstschweiß.
Die gute Nachricht für LeidensgenossInnen: Es gibt solche Deos zu kaufen. Die schlechte: Sie enthalten Aluminium.
NEIN DANKE! Dann lieber hin und wieder ein bisschen stinken als mir eine krebsverursachende Substanz unter die Achseln schmieren, war bisher meine Meinung.
Zufrieden war ich mit dieser Lösung nicht, hab mein Unwohlsein im Falle von Verschwitztheit aber unter First World Problems abgelegt und nicht weiter über das Problem nachgedacht.
Dann die Epiphanie aus dem Internet (wo zugegebenermaßen viele meiner Epiphanien herkommen): Es geht auch einfach und wirksam. Selbst gemachtes Deo aus drei Zutaten. Probieren, so dachte ich bei mir, kann ja nicht schaden. 
Und ich bin nach drei Wochen mit meinem neuen Deo restlos überzeugt! Anstrengende Wanderungen, Fitnessstudio, Hardcore-Prüfung (Buchhaltung! Dafür gibt's extra Punkte), überheizte öffentliche Verkehrsmittel (kriegen die FahrerInnen eigentlich wirklich nicht mit, wie heiß es im Bus werden kann?) - mein neues Deo steckt das alles locker weg. Ich kann es selbst kaum glauben und bin nun ein sehr viel glücklicheres Fräulein. 
Tja, ich werde voraussichtlich nie wieder eines dieser kleinen Döschen oder Fläschchen kaufen, die mich bisher so oft schon enttäuscht haben. Jeder Mensch hat andere Haut, und so muß es freilich nicht sein, dass dieses Deo bei jedem solche Wunder wirkt - aber falls es dir bisher wie mir ergangen ist, ist diese selbst gemachte Deocreme sicher einen Versuch wert!

Gefunden habe ich das Rezept hier. Was soll ich sagen, die vielen guten Bewertungen haben mich überzeugt :)

Die Hauptzutaten sind möglicherweise nicht in jederfraus Vorratsschrank zu finden.

Kokosöl bekommt man entweder in indischen Lebensmittelgeschäften (ich habe weniger als drei Euro für einen viertel Liter gezahlt) oder im Bioladen (nicht ganz so billig, aber dafür bio).

Natron gehört eigentlich in jeden Haushalt, und das nicht nur, weil es in unzähligen amerikanischen Muffinrezepten vorkommt. Bitte nicht mit Soda verwechseln, das manchmal Putznatron genannt wird. Im Zweifelsfall: Wikipedia. Wenn man nur eine kleine Menge braucht, so wie für dieses Rezept, einfach ein kleines Päckchen im Supermarkt bei den Backzutaten kaufen. Wenn man es als ein Wundermittel betrachtet, ohne das man hinfort nicht mehr leben kann, gibt es z.B. in Asia-Shops größere Packungen zu wesentlich günstigerem Preis. Ich habe für ein viertel Kilo unter zwei Euro gezahlt.

Kostenpunkt ganzes Deo: etwa 1,20 € für eine Menge, die nach vorsichtiger Schätzung etwa anderthalbmal so lange reicht wie ein konventioneller Deo-Stick.


Das braucht man:

70 g Kokosöl
70 g Maisstärke
50 g Natron, und zwar Backnatron


Das Schwierigste am ganzen Rezept ist es, das Kokosöl flüssig zu kriegen. Das ist nämlich bei Temperaturen unter 24 Grad fest. Im Winter reicht es, die Flasche auf die Heizung zu stellen, sonst tuts auch ein Wasserbad.
Wenn das Öl flüssig ist, 70 g davon in eine Schale füllen, 50 g Natron dazugeben und verrühren, bis man keine Klümpchen vom Natron mehr sehen kann, am besten mit einem Schneebesen.
Zum Schluß noch 70 g Maisstärke einrühren, bis ebenfalls keine Klumpen mehr zu sehen ist.
Und damit ist das Deo auch schon fertig und kann in Döschen abgefüllt werden. Bei normaler Raumtemperatur erkaltet es zu einer appetitlich anmutenden weißen Creme.
Um diese Creme zu verwenden, einfach ein etwa erbsengroßes oder kleineres Stück davon auf den Finger nehmen und unter den Achseln verreiben. Das gibt zuerst ein etwas.... grieseliges Gefühl, das aber nicht weiter unangenehm ist.

Beim Anziehen wie auch bei diversen hellen Kaufdeos aufpassen, dass man keine Streifen auf dunkle T-Shirts kriegt! In den Achseln selber habe ich bei meinen T-Shirts allerdings noch keine Rückstände bemerken können.

Ich hatte natürlich kein passendes Döschen zur Hand und habe einfach zwei ausgewaschene Gläser von einem unerhört teuren aber absolut wunderbaren Schokodessert genommen. Die sind mir ohnehin immer viel zu schade zum Wegwerfen. Deckelchen einer chinesischen Teetasse paßt genau drauf - erfüllt seinen Zweck und schaut niedlich aus.

Ich war bisher nicht wirklich an Naturkosmetik interessiert, aber nach diesem durchschlagenden Erfolg wird sich das sicher ändern. Stay tuned!

Rezept: Kokosrum selbst gemacht (Bonus: Wie öffne ich eine Kokosnuss "lowtech-style")

Malibu Orange ist eines meiner absoluten Lieblingsgetränke. Das süße Zeug verklebt einem zugegebenermaßen ein bisschen den Magen und ist vielleicht auch nicht unbedingt für Leute über 30 gedacht. Aber mmmmhhhmmmm....  Für diesen himmlischen Genuß braucht man nur Kokosrum und Orangensaft, also keine riesige Cocktailbar. 
Nur: Kokosrum ist nicht gerade billig, und ob das Zeug jemals wirklich eine Kokosnuss gesehen hat, weiß ich auch nicht. Also: selbermachen! Es gibt im Internet zahlreiche englischsprachige Tutorials, die versprechen, dass man normalen weißen Rum ohne großen Aufwand in diesen Nektar der Götter verwandeln kann. Das muss sofort ausprobiert werden!

Das braucht man:

1 Kokosnuss
1 (700 ml) Flasche weißen Rum (billiger tut's auch, sonst zahlt sich das Selbermachen nicht aus)
360 ml Wasser
335 g Kristallzucker

ein großes Einmach- / Vorratsglas oder mehrere kleine (gibts billig im schwedischen Möbelhaus des Vertrauens)


Mein Rezept basiert auf diesem Instructables-Tutorial. Wie immer muß man amerikanische Maßeinheiten umrechnen, ich habe dabei ein bisschen gerundet, aber das sollte nicht ins Gewicht fallen.

Als erstes muss man die Kokosnuss aufkriegen.
Da gibt es viele Techniken, die meisten davon arten in wahre Materialschlachten aus: Bohrmaschinen, Tiefkühlschränke, Backrohre kommen zum Einsatz. Das meiste davon besitze ich zwar, doch ich will nicht warten, bis im Backrohr was passiert, ich will ganz altmodisch selbst was tun!

So geht's:

Erforderliche Werkzeuge: Hammer, Schraubenzieher, Messer und eventuell Sparschäler
Kokosnüsse haben kleine, dunkle Vertiefungen an einem Ende. Bei dem was jetzt kommt, sollte man möglichst versuchen, diese nicht als niedliches Gesichtchen zu sehen...
 
Den Schraubenzieher an eine dieser Vertiefungen ansetzen und mit dem Hammer drauf schlagen. Das geht relativ leicht. Bei den zwei anderen Verteifungen ebenso verfahren, das Kokoswasser aus der Nuss rinnen lassen. Anders als die Kokosmilch aus der Dose, ist es relativ klar und schmeckt etwas eigen. Es wird für dieses Rezepte nicht verwendet. (Habe gerade in einem Forum gelesen, dass man darauf achten soll, ob es zischt, wenn man die Löcher aufschlägt. Wenn nicht, ist die Nuss frisch und das Wasser gut. Wenn es zischt, ist das Wasser gegoren und bitter. Das beeinträchtigt die Qualität des Fruchtfleisches aber nicht und soll bei Supermarktkokosnüssen relativ normal sein. Und wer hat schon eine Kokospalme im Hinterhof...)

Wenn die Kokosnuss leer ist, schlägt man sie auf. Angenommen, die drei Löcher sind unten, muss man jetzt einfach mit dem Hammer immer wieder den Äquator der Kokosnuss entlang schlagen. Ich habe dazu eine kleine Zeichnung im Paint angefertigt, damit es hier auch was zu lachen gibt:

An der roten Linie entlang schlagen.
Am besten nimmt man die Kokosnuss in die Hand und schlägt an der gedachten Linie entlang immer wieder mit dem Hammer drauf. Fest schlagen, aber dabei natürlich auf die Hand aufpassen! Nach der ersten Runde klang es bei meiner plötzlich anders als vorher. Man kennt das ja von Geschirr: wenn irgendwo ein Sprung drinnen ist, hört sich das Teil anders an. Bald konnte ich den Sprung auch sehen. Jetzt muß man vorsichtig weiterschlagen - nach so ungefähr anderthalb Runden fällt die Kokosnuss auseinander.

Um das Fruchtfleisch rauszukriegen, schneidet man zuerst mit dem Messer ein Segment heraus, so gut es geht: Ein zweite Paint-Zeichnung soll verdeutlichen, wie das gemeint ist. Zuerst entlang der blauen Linie einschneiden, dann das Fruchtfleisch herauslösen, indem man die Messerklinge an den hier gezeichneten grünen Strichen zwischen das Weiße und die harte Schale schiebt und es herausstemmt - keine Sorge, danach wird es einfacher.

An den grünen Markierungen Messer zwischen Fruchtfleisch und Schale schieben.


Wenn man das Segment einmal heraußen hat, einfach rund um die Nuss herum immer wieder das Messer hineinschieben, Fruchfleisch lockern und herausdrücken. Möglichst große Stücke herausschneiden, weil sich die später leichter reiben lassen.

Die Stücke haben hinten noch eine Art Inennschale dran, ebenfalls kokosnussbraun. Die muss noch runtergeschält werden. Das geht mit einem kleineren Messer oder - erstaunlich gut - mit einem Sparschäler.

Dann alles in ein Sieb werfen und abwaschen, bis man nur noch Weißes hat.

Die Stücke klein reiben.


Die Ausbeute: eine Schüssel voll frischer Kokosraspeln.

Nun den Sirup aufstellen: In einem kleinen Topf Wasser und Zucker mischen und unter Rühren aufkochen lassen. Aufpassen, dass nichts anbrennt. Zuerst ist die Flüssigkeit trüb, wird aber dann ganz klar. Zwei oder drei Minuten köcheln lassen, dann die Kokosraspeln dazugeben.



Sirup mit Kokosraspeln.

Noch ein paar Minuten zusammen kochen lassen, dann von der Herdplatte nehmen und ein bißchen auskühlen lassen.

In das Einmachglas füllen (ich denke, da sowieso Massen an Alkohol dazukommen, erübrigt es sich, das Glas zu sterilisieren).

Sirup-Kokos-Mischung ins Glas füllen.

Weißen Rum dazugießen, verschließen und fertig!

Nun kommt das Glas an einen dunklen Ort. Jeden zweiten Tag sollte man es schütteln, damit sich alles gleichmäßig entwickelt.

In zwei Wochen sollte der Rum laut Rezept alles Kokosaroma aufgesogen haben. Nun den Rum durch ein Tuch (Kaffeefilter wird an mancher Stelle auch empfohlen, dauert aber ewig), die Kokosraspeln noch einmal gut ausdrücken und dann wegwerfen. Sie haben ihr gesamtes Aroma abgegeben, würden also ohnehin nicht mehr gut schmecken.

Tadaaa! Anderthalb Flaschen Kokosrum zum Preis einer halben!
 
Anderthalb Flaschen (an der weißen ist der Pegelstand mit einem Strich in der Mitte markiert)

Update zwei Wochen später:
Der selbst gemachte Kokosrum wurde bereits von fachkundiger Stelle (mir, meinem Weib und meinen Ex-MitbewohnerInnen) verkostet und bewertet. It's the real stuff! Wird ins permanente Rezeptrepertoire aufgenommen!







Mittwoch, 18. Februar 2015

Mal was Neues probieren: Occhi-Spitze (Bonus: Occhischiffchen aus Fimo selber machen)

Ich liebe alle Arten von Spitze, und ich finde auch, dass man davon nie genug haben kann. Die Säume von Röcken, Blusenärmel und -ausschnitte, Unterröcke, Taschen, Haarbänder - die Einsatzmöglichkeiten sind beinahe unbegrenzt.  Gerade bei Rocksäumen braucht man auch einmal drei Meter oder mehr. Und wenn es was Schöneres als dünne Polyesterspitze sein soll, kann das schnell ins Geld gehen. Was macht also das findige Fräulen? Genau: Selber machen. Häkeln, Brettchenweben, Makramee - alles schon probiert. Da muss was Neues her: Occhi, englisch: "tatting". Mit seinem ganz charakteristischen Aussehen schreit es förmlich "Handgemacht!" - perfekt. 
Sollte nach erster Einschätzung eine von den Sachen sein, die sich leicht neben dem Fernsehen erledigen lassen, das sonst sowieso gar so öd ist.
Auf zwei sehr unterschiedliche Arten kann man beim Occhi zu recht ähnlichen Ergebnissen kommen: Zum einen kann man die winzigen Knoten über eine Nadel schlagen und dann zusammenziehen. Erinnert ein bisschen an Makramee. Im deutschen Sprachraum häufiger ist das Schiffchenocchi. Hierzu wird der Faden auf ein oder zwei kleine Schiffchen gewickelt und die Knoten dann über ein Schlinge geschlagen, die man zwischen den Fingern hält - ungleich komplizierter, aber die Ergebnisse werden angeblich schöner. Ganz zu schweigen von der grazilen Handhaltung (die kommt hoffentlich noch mit der Übung).

Dazu braucht man:

Häkelgarn Stärke 10 - für den Abend und für den Anfang empfehlen sich helle Farben, damit man sieht, was man tut
eine lange Nadel mit einem möglichst kleinem Öhr - eine Puppennadel ist gut und kann hierzulande auch leichter erworben werden als echte "tatting needles"
ooooder: Fimo und ein Bastelskalpell, um ein bis zwei Occhischiffchen selbst zu fabrizieren

Begonnen habe ich mit Nadelocchi. Aus dem einfachen Grund, weil ich das Material dafür schon zuhause hatte.

Eine sehr hilfreiche Anleitung dazu habe ich auf Instructables.com gefunden. Wenn man der Autorin Schritt für Schritt folgt, hat man nicht nur Grundknoten, Ringe, Picots, Brücken und das Verbinden von Ringen gelernt, sondern auch ein wunderbares, mehr oder weniger gleichmäßiges kleines Blumenornament.

Nadelocchi: Blume nach dieser Anleitung


Als nächsten Versuch wollte ich mich an das eigentliche Ziel meiner Begierde wagen: fortlaufende Spitze, die man dann auch wo drannähen kann. Auf der Grundlage eines Musters aus einem uralten Handarbeitsbuch habe ich einfach mal munter drauflosgeocchit.

Das Ergebnis ist zweifelhaft, ähnelt aber durchaus dem, was man sich gemeinhin unter Occhi vorstellt.

Erstversuch Occhispitze

 Damit man auch sieht, wie das mit der Nadel gearbeitet wird, hier ein Foto vom Work in Progress:

Viele Knoten auf einer langen Nadel
Man schlägt den doppelten Occhiknoten einfach immer wieder über der Nadel an, bis man laut Muster genug Knoten hat, und zieht die Nadel dann durch die Knoten und die entstandene Schlinge zusammen.

So ganz hat mir das Ergebnis nicht gefallen. Da ich aber Occhispitze haben will und nicht so leicht locker lasse, wollte ich es noch mit der Schiffchen-Methode probieren. Die Knoten sind die gleichen, nur werden sie gänzlich anders gebildet. Das ist wirklich kompliziert und wird in diesen You-Tube-Videos so einfach wie möglich erklärt.

Unabdingbar für diese Methode sind die Schiffchen, circa 6 cm lange mandelförmige Spulen, auf die man den benötigten Faden aufwickelt. Solche Schiffchen nun in der mittelgroßen Kleinstadt Graz zu bekommen erwies sich als unmöglich, zumindest mit der Menge an Geduld, die ich aufzubringen imstande war. Aber da gibts doch noch... Fimo.

Ich hab mir einfach zwei unterschiedlich farbige flache Schiffchen fimoniert.

Fimo-Schiffchen und der Versuch einer Blume

Und so hab ich meine Schiffchen gemacht:

Vorbilder waren nicht die dicken Schiffchen mit der Spule in der Mitte, wie man sie überall (nur anscheinend nicht in Graz) kaufen kann, sondern simplere Modelle, die an ein Webschiffchen fürs Bandweben erinnern. Der Vorteil an dieser Art Schiffchen ist, dass sie leichter herzustellen sind und mit ihrer schlichten Form auch recht stylish sind, wie ich finde. Der offensichtlichste Nachteil ist, dass das Garn nicht geschützt ist, sondern man es mehr oder weniger die ganze Zeit in der Hand hat. Aufgrund ihrer offenen Form muss man mit ihnen wahrscheinlich auch ein bisschen vorsichtiger hantieren als mit den ansonsten gebräuchlichen geschlossenen Schiffchen - das ist allerdings reine Vermutung, denn es sind ja die ersten Occhischiffchen, die ich in der Hand habe.

Hier mein selbstgezeichnetes Muster, das etwa 6 cm lang ist.

Muster für die Fimo-Schiffchen

Essentiell sind bei diesem Entwurf die Spitzen rechts und links und natürlich die Löcher, die jeweils mit einem Schnitt mit der Außenkante verbunden werden, um später den Faden auf- und abwickeln zu können: Auf dem Bild oben sieht man diese zwei Schnitte als Bleistiftstriche.

Das Fimo ein bisschen weichkneten und auswalzen, sodass es gleichmäßig etwa einen halben Zentimeter dick war. Dann die Schablone drauflegen und mit einem Bastelskalpell das Schiffchen ausschneiden. Das ging bei mir überraschend einfach. Die Löcher habe ich letztendlich nach Augenmaß größer gemacht, um mehr oder dickeren Faden auf der Spule unterbringen zu können. Dann noch die Kanten glätten, damit der Faden nirgendwo hängenbleiben kann, und die Spitzen vorne und hinten an den Schiffchen schön spitz ausformen - die können beim Occhieren praktisch sein. Nun alles vorsichtig aufs Backpapier manövrieren und dabei darauf achten, dass die beiden Schnitte von den Löchern weg offen bleiben, denn da muss später der Faden durchpassen. Ab ins Backrohr und nach Packungsbeilage aushärten lassen. Fertig!


Das verwendete Fimo ist, falls sich dafür wer interessiert, Effekt-Fimo: Jade und Rosenquarz. Zweiteres finde ich vom Ergebnis her ganz nett, bei der Jade schwanke ich noch zwischen: "Gut, vom Farbton her ist es echt toll." und "Schaut trotzdem irgendwie aus wie grüner Kaugummi.". Aber als Schiffchen funktionieren die beiden Dinger ganz gut , soweit ich als komplette Anfängerin das beurteilen kann. Man kann sie erstaunlich leicht bewickeln und wenn man sie baumeln lässt, wickeln sie sich aufgrund der schräg geschnittenen Schlitze auch nicht von selber ab. Die Schiffchen sind nach dem Erkalten ein wenig weicher, als ich mir das vorgestellt hatte, halten jedoch durchaus die Form und liegen angenehm in der Hand.


Wenngleich meine Schiffchen also etwas unförmig und von eher zweifelhafter Farbe sind, sind sie mit Materialkosten von geschätzten 50 Cent unschlagbar billig und dazu echte Unikate. Auf alle Fälle, würde ich sagen, gut genug, um die Technik einmal auszuprobieren.

Ja, und jetzt bin ich dabei, das occhieren zu lernen. Mehr hoffentlich demnächst.

Montag, 2. Februar 2015

Tutorial: Patchwork für Nicht-Patchworkerinnen - Neunerblöcke

Patchwork fasziniert mich schon lange, da vor allem die gequilteten Decken. Es ist eine grandiose Art, Stoffe wiederzuverwenden und dabei etwas Praktisches herzustellen, vielleicht sogar ein Erbstück. In den USA sind Quilts ja ein ganz großes Ding, und es ist teilweise schon unglaublich, was für Kunstwerke die Quilterinnen dort herstellen. 
Das hat dort eine lange Tradition. Die letzten paar Wochen habe ich mich ganz der Obsession für Laura Ingalls Wilders "Little House"-Bücher hingegeben - bei uns sind sie den meisten als die Fernsehserie "Unsere kleine Farm" bekannt. Die Bücher sind mehr als nur Geschichten für Kinder, sie sind Momentaufnahmen des Lebens am Rande der Zivilisation. Die Autorin schildert sehr anschaulich, wie Dinge des täglichen Bedarfs selbst hergestellt werden, vom Brot über Räucherfleisch, Strohhüte bis zum Blockhaus. Quilts spielen in diesem einfachen, arbeitsamen Leben eine wichtige Rolle, und die Mädchen in der Geschichte nähen von klein auf an den ihren. Immer wieder ist von einem Nine-Patch-Block die Rede, und einen solchen integriere ich nun auch in meine Patchworkdecke.
Ich betrachte mich selbst nicht als Patchworkerin. Dazu fehlt mir die Geduld, die erforderliche Genauigkeit beim Arbeiten und vor allem auch eine gewisse Liebe zum Bügeln. Aber ich möchte eine Patchworkdecke machen, und damit bin ich bereits erstaunlich weit. Manches ist ein bisschen schief, manches würde eine erfahrene Patchworkerin wohl anders lösen - aber es funtioniert und ich mag das Ergebnis. 
Hier also die Anleitung zu den Neunerblöcken, die das ganze ein bisschen mehr Unsere-Kleine-Farm-ig machen sollen.

Das braucht man:

zwei kontrastierende Baumwollstoffe, die zusammenpassen: je eine Stoffbreite (meistens 140cm) mal 15 cm, unbedingt vorgewaschen, damit sie später nicht mehr eingehen oder ausbluten
Schere
Patchworklineal (nicht ganz billig, aber eine Anschaffung, die sich unbedingt lohnt!)
einen weißen und einen dunklen Farbstift
Nähmaschine oder Nadel und Faden und entsprechend mehr Geduld
Stecknadeln



Die fertigen Blöcke werden 9 x 9 cm groß sein, jedes Kästchen davon 3 x 3 cm. Mit der angegebenen Stoffmenge näht man 16 oder 17 Stück, je nachdem, wie breit der Ausgangsstoff ist.

Ich arbeite hier mit einer Nahtzugabe von 1cm. Das bedeutet also, wenn ein fertiges Kästchen 3 cm hoch sein soll, muß jeder Stoffstreifen 3+1+1cm hoch sein, also 5cm. Entsprechend kann man die Maße der fertigen Blöcke auch ganz leicht vergrößern oder verkleinern.

Mahnender Zeigefinger, der vor allem mir selbst gilt: Es ist wichtig, hier so genau wie möglich zu arbeiten, sonst passt später nicht alles so zusammen, wie man sich das vorstellt. Also wirklich alles mit dem Lineal messen, nichts nach Augenmaß, Kanten immer begradigen, bevor man beginnt, genau bügeln.
Aber auch nicht zu viel sorgen! Kleine Unregelmäßigkeiten geben der Handarbeit ja auch Charakter und sehen meist nur für einen selbst schlimm aus.

Stoff, Schere, Stifte, Patchworklineal
Einen der beiden Stoffe flach am Boden oder einem großen Tisch auflegen. Ich nehme die Stoffe der Breite nach, im Bruch einmal gefaltet. Der Stoff liegt also doppelt, Webkante auf Webkante. Ich messe jetzt fünf Zentimeter nach oben und mache da einen Strich über die ganze Breite des Stoffes. Wichtig ist hier, dass der untere Rand so gerade wie möglich ist und die beiden Lagen Stoff exakt übereinander liegen.


Drei 5cm breite Streifen markieren und abschneiden.
Ich nehme zum Markieren meistens Buntstifte oder Bleistifte, weil sie leichter zu verwenden sind als Schneiderkreide. Was man dazu wissen muß: Buntstifte lassen sich unter Umständen nicht auswaschen. Also damit nichts markieren, das am Ende auf dem fertigen Stück zu sehen sein wird!

Die drei fertig abgeschnittenen Streifen.






Vom zweiten Stoff ebenso drei 5cm hohe Streifen abschneiden.

So, jetzt hat man sechs Stoffstreifen, und es geht ans Zusammennähen: einen vom ersten und einen vom zweiten Stoff schöne Seite auf schöne Seite so bündig wie möglich zusammenlegen und mit einer Nahtzugabe von 1cm zusammennähen. Dabei aufpassen, falls der Stoff eine Richtung hat wie bei meinem hellen mit den Streublumen: Es ist schöner, wenn die Blüten der Blumen alle in die gleiche Richtung schauen.


Schöne Seite auf schöne Seite legen und mit 1cm NZG zusammennähen.
Die meisten Nähmaschinen haben Markierungen auf der Stichplatte, die einem helfen, die Nahtzugabe genau einzuhalten. Ansonsten kann man sich auch mit einem Stück Klebeband oder vielleicht einem beherzten Strich mit dem Permanentmarker abhelfen.

Nun an diesen Doppelstreifen noch einen weiteren annähen, sodass das ganze vage einer sehr langgezogenen österreichischen Flagge ähnelt - also dunkel-hell-dunkel, niemals zwei gleiche Streifen nebeneinander.

Einen dritten Stoffstreifen annähen.

Das selbe mit den verbliebenen drei Stoffstreifen wiederholen, nun hell-dunkel-hell. Das Ganze schaut dann aus wie unten und muss noch ausgebügelt werden. Die Nahtzugaben auf die Seite des dunkleren Stoffes bügeln, da sie durch den helleren durchscheinen könnten.

Ausbügeln. Keine Falten hineinbügeln, vor allem nicht neben den Nähten, und sich nicht die Finger verbrennen :(

Nun wieder zurück an den Schneidetisch /-boden. Anfang und Ende jedes der Streifen mit dem Lineal begradigen und dann die Streifen in 5cm breite Stücke schneiden.

Wenn man faul ist, so wie ich, und mit ein bisschen Ungenauigkeit in der fertigen Decke leben kann, legt man den Streifen einmal der Länge nach zusammen (im Bild unten kann man an der Unterkante sehen, dass er doppelt liegt) und arbeitet sich dann sehr, sehr vorsichtig vor, um sich das Stecknadelstecken zu sparen. Spar die Hälfte der Arbeitszeit, da man mit jedem Schnitt zwei Stücke bekommt statt nur eines. Unbedingt vorher testen, ob das die benutzte Schere auch mitmacht, weil da schon so einige Lagen Stoff zusammenkommen!

Stoffstreifen in 5cm breite Stücke schneiden.
Das macht man mit beiden Stoffstreifen. Man hat dann zwei Häufchen mit Stoffstücken, die alle annähernd gleich groß sind. Zurück an die Nähmaschine damit!

Von jedem Häufchen ein Stück nehmen und schön auf schön zusammenstecken. Dabei daran denken, wie herum man es der Nähmaschine füttert, und die Nahtzugaben entsprechend feststecken, damit das Füßchen der Maschine sie nicht mitschiebt und sie so liegen bleiben, wie wir sie mühsam gebügelt haben.

Nahtzugaben feststecken, eventuell noch oben und unten Stecknadeln rein, damit sich nichts verschiebt.

Nur absolut gerade Stecknadeln verwenden und vorsichtig drübernähen, damit es mit der Maschine keine Probleme gibt. Die beiden Stücke zusammennähen, wieder mit einer Nahtzugabe von 1cm.

Zusammennähen


An diese beiden Stücke nun noch ein drittes anfügen. Ob man das rechts oder links tut, ist egal, man darf nur nie zwei gleich Stücke nebeneinander haben. Nun sollte die Sache so ausschauen:

Tada! Fertiger Neunerblock.

Den nächsten Neunerblock gegengleich machen, in diesem Fall also mit nur einem Stück mit zwei dunklen Abschnitten und dafür mit zwei Stücken, die oben und unten einen hellen Abschnitt haben. Ansonsten ab hier immer gleich vorgehen: Nahtzugaben, die gegen die Nährichtung liegen werden, feststecken, und los geht's.

Der zweite Neunerblock
Nun munter immer so weitermachen, bis man am Ende der beiden Stapel angelangt ist. Es kann sein, dass Stücke übrig bleiben, die kann man allerdings sicher wo anders verwenden - so eine Patchworkdecke kann ja ganz schön groß werden.

Es empfiehlt sich, die beiden verschiedenen Neunerblöcke wirklich abwechselnd zu arbeiten, damit man, ohne mitzählen zu müssen, am Schluß von jeder der beiden Arten gleich viele hat.

Wenn man durchgehend nur einen der beiden Blöcke machen will und den anderen gar nicht, könnte man gleich am Anfang den entsprechend weniger gebrauchten der beiden Dreierstreifen zum Zuschneiden kürzer machen. Man sollte dann davon nur halb so viele Abschnitte brauchen. Das hab ich aber noch nicht probiert.


Von hinten sehen die beiden Blöcke wie folgt aus:

Blöcke vor dem Bügeln von hinten. Die Nadeln halten die NZG fürs Foto auf ihrem Platz.

Jetzt noch die Nahtzugaben bügeln, immer schön zum dunkleren Stoff hin. Und fertig!

Das sieht zwar nach sehr viel Arbeit aus, aber geht durch die Serienproduktion überraschend schnell. Nach ein paar Stunden habe ich schon einen ganz netten Stapel mit Neunerblöcken, die darauf warten, an meine Decke genäht zu werden.

Die Früchte der Arbeit.
Die Methode nennt sich strip piecing und läßt sich auch für viele andere Patchworkdesigns anwenden. Hier gibt es eine tolle englischsprachige Beschreibung, in der klassisch mit Rollschneiders geschnitten wird.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Tutorial: Lavendelsackerl

Zu den Gastgeschenken auf unserer Hochzeit müssen Lavendelsackerl gehören, das war von Anfang an klar. Sie passen perfekt zu unserem Motto "Vintage und Tracht" und unser beider Affinität zur Provence (ja, ich weiß, das ist was für ältere Leute, aber es ist wirklich soooo schön dort!). Tatsächlich ist kein einziges übriggeblieben, also waren sie auch beim Publikum ein voller Erfolg.

Das braucht man:
getrockneten Lavendel
einen Rest Stoff, am besten mit Folklore-Muster
eine normale Schere und eine Zackenschere (die ist optional, erspart aber viel Arbeit)
Garn oder Satinband zum Zusammenbinden
zum Verschönern noch ein kleines Holzornament und ein bißchen Leim
Nähmaschine oder Nadel und Faden und etwas mehr Geduld




Zuerst einmal muß man entscheiden, welche Größe das Sackerln haben soll. Ich messe so was nicht, sondern mache das Pi mal Daumen und orientiere mich beim Schneiden am Musterrapport, schneide also einfach an einer Reihe der Streublumen entlang. Sagen wir mal, man will ein Sackerl, das am Ende so 4 x 8 cm groß ist. Zuschneiden sollte man sich dann ein Stoffstück 4 x 16 plus Zugaben, also so ungefähr 5 mal 18 - nur zur Sicherheit.
Dann faltet man das ganze einmal rechts auf rechts und näht die Seiten zusammen.

Oben kann es ruhig schief sein, das schneiden wir nachher sowieso mit der Zackenschere ab. Es soll auch Leute geben, die vor dem Zuschneiden bügeln.

Das Zusammennähen erfolgt bei meiner braven Elna-Maschine mit ihrem wunderbaren Overlock-Stich, also Nähen und Versäubern in einem Arbeitsgang. Wenn man so einen Stich nicht hat, empfiehlt es sich, zuerst mit Geradstich etwa einen Zentimeter von der Kante weg die beiden Seiten zusammenzunähen und dann noch extra mit Zickzack zu versäubern, damit sich später nichts auflöst.

Die Seiten zusammennähen mit dem Overlockstich.


Was man dann hat, schaut so aus:

An der oberen Naht kann man schön den Overlockstich sehen, über die untere sprechen wir nicht.
Links mussten wir nichts zusammennähen, weil da der Stoff gefaltet war,
rechts ist das Sackerl noch offen.


So, jetzt haben wir einen kleinen Sack, der oben (hier rechts) offen ist. Jetzt wird gewendet. Ist ja nur ein paar Zentimeter lang, also keine so schlimme Sache wie bei Dirndlschürzenbändern. Einfach mit den Fingern rein, die Ecken schön rausdrücken und fertig.

Wenden. Auch das wieder ein wunderbarer Moment zum Bügeln eigentlich.

Und schon kann befüllt werden. Hierzu braucht man Lavendel, den entweder kaufen kann oder selbst in der Küche getrocknet hat: Einfach nach der Ernte zu Bündeln zusammen fassen und an einem gut durchlüfteten, trockenen Ort (oder eben der Küche, wenn man nichts anders hat) aufhängen und dann die Blüten mit den Fingern von den Stielen rebeln.


Getrockneter Lavendel - jetzt müssen nur noch die Blüten von den Stielen gestreift werden.


Die Lavendelblüten in eine große Schüssel füllen, und es kann losgehen. Am besten die Enden des Sackerls umschlagen, es über die Schüssel halten und voll löffeln.

Befüllen des Lavendelsackerls.


Gelegentlich oben festhalten und ein bisschen aus dem Handgelenk schwenken, damit der Lavendel nach unten geht. Ein Band oder zweifarbig verzwirntes Häkelgarn (Tutorial folgt) zum Zusammenbinden verwenden. Besonders unsichere Naturen machen nicht nur ein Schleifchen, sondern knoten die Schleifenenden dann auch noch mal fest zusammen.

Nun kommt die Zackenschere zum Einsatz: Damit man das obere Ende des Sackerls nicht versäubern muss, einfach damit zurechtschneiden.

Einsatz für die Zackenschere - eine nicht ganz billige Anschaffung, die sich aber lohnt.

Zur Aufhübschung noch ein hölzernes Vögelchen aus dem Bastelbedarf draufgeklebt. Hier braucht man keinen teuren (und übelriechenden) Textilkleber, es reicht Leim.

Kleiner EXKURS: Leim reicht so ziemlich überall. Ich bin bisher beim Basteln noch auf nichts gestoßen, was sich mit Leim nicht bombensicher kleben ließe, und habe mir so schon einen Haufen Spezialkleber gespart.

Fertig!


Und hier noch einmal, präsentiert von Agathe dem Nilpferd.
Agathe looking sassy.